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LIFESTYLE

5 Tipps wie ihr eure Flugangst überwindet

Egal ob in den Urlaub, nach Hause zur Familie oder zu einem geschäftlichen Termin – viele von uns müssen häufig verreisen. Nicht selten auch mit dem Flugzeug. Was aber, wenn das Fliegen einem so gar nicht zusagt, oder man sogar richtige Flugangst hat? Dem Chef zu sagen, man würde gerne zum Kundentermin nach New York mit dem Schiff fahren ist wohl eher keine Option. Für alle, die die Zeit vor ihrem nächsten Flug am Liebsten so lange wie möglich heraus zögern würden, schreibe ich diesen Beitrag.

Ich fliege seit meinem ersten Lebensjahr. Meine Mutter erinnert sich nur sehr ungern an diesen Flug. Ich war so klein, dass ich noch in einem Maxi Cosi sitzen/liegen konnte und befand mich mitten auf dem Weg in meinen ersten großen Urlaub. Wir flogen eine Mittelstrecke von Deutschland nach Griechenland. Eigentlich ein Flug, der sehr schnell vorbeigeht. Maximal 3 Stunden. Nicht aber für mich. Oder meine Mutter. Oder die anderen Fluggäste. Denn ich plärrte die kompletten 3 Stunden durch. Ich bin überzeugt, dass ich damals schon wusste, dass Flugreisen nicht zu meinen Favoriten gehören werden.

Richtig Flugangst bekam ich allerdings erst mit etwa 13 Jahren auf einem Flug nach Barcelona. Es passierte nichts ungewöhnliches, aber auf einmal fühlte ich mich unsicher. Ich habe von vielen Leuten, auch aus meinem näheren Freundeskreis, gehört, die früher gern geflogen sind, oder zumindest kein Problem damit hatten. Nach Jahren entwickelte sich die Angst dann erst. Ich beschloss zunächst nicht mehr zu fliegen. Das, meine lieben Leser, ist so ziemlich das dümmste was man in so einer Lage tun kann.

Es klingt zunächst sehr merkwürdig. Gegen Flugangst soll es wirklich helfen weiterhin in ein Flugzeug zu steigen? Meiner Erfahrung nach zu urteilen kann ich nur sagen: Ja! Wie gesagt, ich habe das Fliegen in den Jahren 2008 – 2011 komplett gemieden. Auch 2012 stieg ich in kein Flugzeug. Erst seit 2013 unternehme ich jedes Jahr mindestens eine, meistens aber zwei Flugreisen über das Jahr verteilt.

Was ist passiert als ich gar nicht geflogen bin? Das Schwierigste daran war, dass ich mich so mit dem Gefühl nicht vertraut machen konnte. Ich erlebte zwar keine schlechten Flüge, aber auch keine guten. Und sind wir mal ehrlich: Die meisten Flüge sind gut. Die wirklich turbulenten Flüge, die ich erlebt habe, kann ich an einer Hand abzählen. Ich ging also immer automatisch vom Schlechtesten aus und steigerte mich immer wieder in eine noch so ungefährliche Situation rein. Ich denke ich muss nicht erwähnen, dass das totaler Quatsch war.

Seitdem ich seit 2013 wieder regelmäßig fliege wird es von Mal zu Mal besser. Inzwischen kann ich es sogar teilweise genießen. Für die meisten von euch wird das sicher undenkbar sein. Aber bitte probiert es aus. Vertraut mir. Und schreibt mir gerne eine E-Mail, wenn ich komplett unrecht hatte. Dann werde ich mich persönlich bei euch entschuldigen.

Gute Vorbereitung ist das A und O. Eigentlich in jeder Situation des Lebens. Wenn ihr Flugangst habt, wird euch sicher schon häufiger der Tipp gegeben worden sein „Bereitet alles rechtzeitig vor, kommt pünktlich zum Flughafen. Meistens ist Flugangst nur ein Ergebnis von Stress. Wenn ihr keinen Stress vorher habt, dann habt ihr auch keine Flugangst.“ Blödsinn. So etwas kann nur jemand geschrieben haben, der nicht weiß was richtige Flugangst wirklich bedeutet.

Was also meine ich mit „Gut vorbereitet sein“? Mir ist es immer wichtig, dass ich vorher plane, was ich während des Fluges tun kann. Wenn man einfach nur in seinem Sitz sitzt, auf die Uhr starrt und darauf wartet endlich am Ziel zu sein, vergeht die Zeit unfassbar langsam und man konzentriert sich auf jedes noch so kleine Wackeln des Flugzeugs. Deshalb verplane ich meine Zeit, am besten bis auf die letzte Minute. Zum Beispiel folgendermaßen:

Filme: Sollte es kein On Board Entertainment auf eurem Flug geben (wie bei fast allen Kurz- und Mittelstreckenflügen), hilft der beste Freund der Serienfans: Netflix. Seitdem man hier Filme und Serien auf mobile Geräte herunterladen kann, bin ich auf längeren Reisen immer vorbereitet. Manchmal lade ich sogar so viele Serien und Filme runter, dass es für mehr als die geplante Flugdauer reichen würde. Meine Serientipps: Suits, Friends, Gilmore Girls, Girlboss. Für weitere Inspirationen, schaut doch mal bei diesem Post vorbei.

Zeitschriften: Manche Fluggesellschaften bieten sogar noch kostenfreie Zeitschriften an (Germania zum Beispiel), meistens muss aber der Kiosk am Flughafen reichen. Ich komme sonst sehr selten dazu durch Zeitschriften zu stöbern, deshalb genieße ich das im Flugzeug sehr. Wenn man eine Zeitschrift (z.B. InStyle) von vorne bis hinten durchblättert und etwas über die Hälfte der Artikel liest, ist auch schon wieder eine Stunde vorbei.

Bücher: Noch weniger als zum Lesen von Zeitschriften, komme ich zum Lesen von Büchern. Vor jedem Urlaub mache ich daher eine Großbestellung bei Amazon. Wenn man sich in der Fantasiewelt eines guten Buches verliert, vergisst man das Drumherum schon gerne einmal.

Musik: Ich verstehe durchaus, wenn eure Flugangst so weit geht, dass ihr euch weder auf Filme, noch auf Zeitschriften oder Bücher konzentrieren könnt. Auch mir ging es bis vor ein paar Jahren so. Da hat mir Musik weitergeholfen. Vorher stelle ich mir immer eine Playlist, mit Liedern die mich entspannen, zusammen.

Meditation: Auch hier hilft euch Spotify weiter. Ihr findet in der Bibliothek einige Podcasts zum Thema Meditation bei Flugangst, die ihr vorher oder auch währenddessen machen könnt. Ich stand solchen Sachen immer sehr skeptisch gegenüber, muss aber sagen, dass es mir tatsächlich geholfen hat. Nicht vorschnell urteilen, sondern einfach ausprobieren.

Damit meine ich nicht, vor eurem nächsten Flug noch schnell ein Studium in Luft- und Raumfahrttechnik abzuschließen. Diesen Tipp habe ich aber von jemandem bekommen, der genau das getan hat (natürlich nicht wegen Flugangst, sondern weil es ihn interessiert hat). Er hat mir gesagt: „Das beste Mittel gegen Flugangst ist Flugzeuge zu verstehen.“

Viele Leute erschrecken sich vor bestimmten Bewegungen des Flugzeugs oder diversen Geräuschen, die während des Fluges eintreten. Ein paar Beispiele:

Das „Wackeln“: Ja, ein Flugzeug wackelt manchmal. Eigentlich bei jedem Flug. Das bedeutet allerdings nicht euren sicheren Tod, sondern ist ganz normal. Mir wurde es so erklärt: Stell dir vor du fährst mit deinem Auto auf der Straße. Ist das Auto komplett ruhig? Nein, es reagiert, je nachdem wie die Beschaffenheit der Straße aussieht. In der Luft ist es genauso. Es sieht zwar alles klar und die Wolken weich aus, aber es sind viele verschiedene Luftströme vorhanden, die das Flugzeug zwar „wackeln“, aber auch fliegen lassen. Hier gibt es also überhaupt keinen Grund zur Beunruhigung.

Das „Rumpeln“: Meistens kurze Zeit nach dem Start und kurze Zeit vor der Landung. Ihr werdet es bereits erraten haben: Das ist das Fahrwerk. Das kann besonders an bestimmten Stellen im Flugzeug deutlich zu spüren sein. Ihr müsst aber keine Angst haben, dass der Boden gleich weg fliegt. Das „Rumpeln“ ist nur dafür da, dass die Reifen des Flugzeugs geschützt und wieder ausgefahren werden können, damit ihr sicher landet. Oftmals „rumpelt“ es auch schon früher im Landeanflug. Das können die Klappen an den Tragflächen sein, die sich auf die Landung vorbereiten. Dass diese sich bewegen ist definitiv ein gutes, statt ein schlechtes Zeichen.

Das „Warnzeichen“: Oftmals ertönt während des Fluges ein Ton, der wie ein Warnzeichen klingt. Nein, das bedeutet nicht, dass leider beide Triebwerke ausgefallen sind und das Flugzeug wie ein Stein vom Himmel fällt (was im Übrigen sowieso nicht in der Form passieren kann). In der Regel hat hier einfach nur jemand den Service-Knopf gedrückt um die Stewardess zu rufen. Ja, manchmal können gefährlich klingende Töne so einen simplen Grund haben.

Natürlich gibt es noch viel mehr Geräusche während eines Fluges. Ich habe mir vor meinem Flug 2014 einige YouTube Videos dazu angesehen, die mir wirklich geholfen haben. Hier ein paar Beispiele:

Geräusche beim Fliegen – was Passagiere bei Start, Flug und Landung hören und was es bedeutet

Geräusche während des Starts erklärt

Warum schüttelt das Flugzeug? Über Luftlöcher, Turbulenzen und fliegende Kleinkinder

Es kann bei manchen Themen durchaus beängstigend sein, sich auf die sogenannten „Fakten“ zu verlassen. Zum Beispiel wenn ihr die Gründe eines ständigen Kopfschmerzes recherchiert. Ich bin sicher Dr. Google wird euch bereits mehr als einmal davon überzeugt haben, dass ihr nicht mehr als zwei Wochen zu leben habt. Geht es aber um Statistiken, vor allem Unfallstatistiken, von Flugzeugen empfiehlt es sich doch einen Blick zu riskieren. Viele unter euch werden das vermutlich in der Vergangenheit vermieden haben, um überhaupt noch in ein Flugzeug steigen zu können und noch ein Fünkchen Hoffnung zu haben, dass ihr die nächsten Stunden überleben werdet. Tatsächlich werden euch die Statistiken zu diesem Thema aufatmen lassen.

Auswertungen hierzu ergaben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ihr mit einem Flugzeug abstürzt lediglich bei weniger als einem hundert tausendstel Prozent! Das sind anders ausgedrückt 1:9.125.000.

Wenn ihr das nächste Mal in ein Flugzeug steigt, ruft euch diese Zahl wieder ins Gedächtnis. Beruhigt das einen rational denkenden Menschen nicht, dann weiß ich wirklich auch nicht weiter.

Das ist tatsächlich einer der besten Tipps, den ich euch geben kann. Seitdem ich meistens mit meinem Freund fliege, bin ich während des Fluges größtenteils entspannt. Obwohl er viel schläft während des Fluges, ist er auch nicht böse, wenn ich ihn bei Turbulenzen wecke und mich an seinem Arm festklammere.

Gerade im Job kann man sich seine Begleitung aber meistens nicht aussuchen. Wenn ihr euch gut mit eurem Chef, eurem Kollegen versteht, wird es sicher auch kein Problem für euch. Aber leider verreist man nur allzu oft auch mit Personen, mit denen man sonst nicht so viel zu tun hat, die man nicht mag, oder man verreist gar alleine.

Egal wie es ist, es hilft immer eurer Reisebegleitung zu erzählen, dass ihr unter Flugangst leidet. Ob im privaten oder geschäftlichen Bereich ist da zunächst unwichtig. Niemand wird euch deshalb für schwach halten. Wer weiß, vielleicht hat euer Chef dafür Angst vor dem Zahnarzt? Oder vor Spinnen? Und das sind nun wirklich (ebenfalls) keine lebensbedrohlichen Situationen. Wenn ihr alleine reist, empfehle ich immer die Flugbegleiter über eure Flugangst zu informieren. Ich habe schon oft positive Erfahrungen damit gemacht. Die Flugbegleiterinnen kamen bei Turbulenzen zu den Gästen, die Angst hatten und erklärten ruhig was passiert, warum es völlig ungefährlich ist und wann es voraussichtlich wieder vorbei sein wird. Wenn gar nichts anderes mehr hilft, habe ich auch schon mitbekommen, dass eine Stewardess einem ängstlichen Gast eine kleine Flasche Wein zur Beruhigung geschenkt hat. Warum auch nicht?

Was ganz wichtig ist: Flugangst zu haben ist nichts wofür man sich schämen muss! Ruft euch das immer wieder ins Gedächtnis und geht aktiv dagegen vor. Und denkt an mich, wenn ihr in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren schließlich (nahezu) angstfrei ein Flugzeug betreten kommt.

Ich kann glücklicherweise sagen, dass meine Flugangst immer besser wird und ich meistens nur noch in den ersten paar Minuten ängstlich die Hand von meinem Freund umklammere (außer es gibt Turbulenzen, dann ist die Hand, wie bereits erwähnt, wieder höchst gefragt). Deshalb hoffe ich, dass ich euch mit meinen Erfahrungen und Tipps weiterhelfen konnte und ihr eure Angst langsam aber sicher überwinden könnt. Denkt immer dran: Das Gefährlichste am Fliegen ist die Autofahrt zum Flughafen.

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